Bericht von den Europameisterschaften im LSW Spezialsport 15.-17. Juli 2016

Es war ein kühler verregneter Morgen in Jüterbog. Eigentlich ein Wetter, bei dem man nicht den Hund vor die Türe jagt, aber dennoch regte sich etwas im Stadion am Rohrteich. Es erklagen die Nationalhymnen von Ungarn, Polen, Tschechien, England, Frankreich, Deutschland und anderen Nationen Europas. Eine Europameisterschaft. Und das im kleinen beschaulichen Jüterbog.

Diese EM ist keine typische EM. Sie findet nicht in den üblichen Sportarten wie Leichathletik, Turnen oder Fußball statt, sondern in Trainingsübungen für den Wurfbereich in der LA. Aber wieso??? Man könnte sagen, dass einem gewissen Erwin Kollmar aus Herborn langweilig wurde und ihm die üblichen Disziplinen in der LA nicht ausreichten und er nicht die notwendigen örtlichen Gegebenheiten hatte diese auszuführen. Er kam auf die Idee die einzelnen Trainingsübungen und Sequenzen in ein Wettkampfformat zu setzen und gründete den LSW Spezialsport e.V. Diese Idee ist auch auf andere Bereiche in der LA umsetzbar. Jedoch hat sich der Wurfbereich mittlerweile deutlich herausgehoben. Und dennoch kennen die wenigsten diesen Seitenbereich in der LA.

Am 15. Juli 2016 starteten zwei Athleten des ASV Berlin, Nico Schwender und Anke Vater, bei der EM Steinstoßen des LSW Spezialsports in Jüterbog.

An diesem Tag standen Schleuderball, Shotorama und Schokorama im Zeitplan. Im Schleuderball brachte es Nico Schwender auf ordentliche 28,71m mit dem 1,5kg Ball und belegte damit den 2. Platz. Anke Vater landete mit 22,68m ( 1kg) auf den zweiten Platz in ihrer Altersklasse.

Weiter ging es mit dem Kugelstoß-Fünfkampf, dem sogenannten Shotorama. Dabei müssen Kugeln mit fünf verschiedenen Gewichten im Standstoß soweit wie möglich gestoßen werden. Der beste Versuch mit dem jeweiligen Gewicht geht in die Gesamtwertung ein. Dabei schaffte es Nico mit 10,10m ( 5kg), 9,89m ( 6kg), 8,33m ( 7,26 kg), 6,95m ( 10kg) und 5,19m (15kg) zu einer Gesamtsumme von 40,46m. Dies bedeutete für ihn den ersten EM-Titel. Anke landete mit 7,51 ( 3 kg), 6,72m ( 4kg), 5,85 ( 5kg), 5,08m ( 6kg) und 4,46m (7,26kg) – gesamt 29,62m – auf den dritten Platz.

Dritte Disziplin des ersten Tages war das Schokorama. Hierbei wird eine kleine Kugel in einer Diskuswurfbewegung geworfen. Auch hier gibt es einen Mehrkampf mit drei unterschiedlichen Gewichten. Bei den Männern der M30 fliegen dabei 3kg, 4kg und 5kg durch die Luft. Bei den Frauen in der W30 sind es 2kg, 2,5 kg und 3 kg. Nico schaffte mit insgesamt 49,85m ( 20,22 – 26,01 – 13,62) seinen zweiten EM-Titel. Anke belegt mit28,48m ( 12,64 – 8,55 – 7,29) wiederum den dritten Platz.

Der zweite Tag begann mit wunderschönem Sonnenschein. Endlich mal Wetter mit dem ein Werfer etwas anfangen kann. Dies war aber auch notwendig. Denn es standen Disziplinen wie Speerorama, Diskus griechisch und Keule an.

Nico begann gleich früh um neun mit Speerorama. Der Bewegungsablauf des Speerwurfs wird mit einer Kugel, die ein deutlich höheres Gewicht als ein Speer hat, nachgestellt. Eine unheimlich starke Belastung für die Schultermuskulatur. Die Verletzungsgefahr ist hier deutlich erhöht, wenn nicht vorher ordentliches Krafttraining betrieben wurde. Oder anders ausgedrückt: Es ist eine ABM für Orthopäden. Nico schaffte es hier auf 21,22m ( 2 kg), 18,62m ( 2,5 kg) und 17,09 m ( 3 kg). Dies bedeutete in Summe 56,93m und damit verbunden den ersten Platz.

Anke errang mit 10,90 m, 8,97m und 8,08m ( 1,5kg – 2 kg – 2,5 kg) den zweiten Rang.

Anschließend ging es zur klassischen Paradedisziplin: Diskus griechisch. Auch wenn es leicht aussieht, ist es garantiert nicht einfach eine Handelscheibe mit 2,5 kg bzw. 5 kg wie einen normalen Diskus zu werfen. Hier brachte es Nico zu stattlichen 14,07 m und belegte den zweiten Platz. Anke schaffte es mit 12,28m ebenfalls zu Vizeeuropameister.

Last but not least folgte abschließend der Keulenwurf. Diese Disziplin ist eigentlich nur im Behindertensport als Wettkampfdisziplin verbreitet und soll den richtigen Abwurf mit den Speer simulieren. Auch wenn wir dafür keine Trainingsmöglichkeiten hatten, haben wir es auf 46,69m und 27,57m geschafft. Damit hatte Nico nochmals einen Europameistertitel sich abgeholt. Anke landete wiederum auf dem Zweiten.

Bei einem guten Glas Wein und sehr gutem Essen ließen wir den Abend im Fuchsbau ausklingen.

Sonntag. Es sah schon sehr feucht aus und pünktlich zum Gewichtswurfdreikampf fing es an zu regnen. Na super. Glänzend nasser Abschluss der EM in Jüterbog. Diesem Wettkampf stellte sich Anke alleine. Beim Gewichtswurf werden Kurzhämmer mit drei verschiedenen Gewichten entweder einarmig bzw. zweiarmig geworfen. Hier orientiert man sich am Bewegungsablauf des Hammerwurfs. Es gibt aber hier auch mittlerweile die unterschiedlichsten Abwurfvarianten. Dabei schaffte es Anke, trotz fehlendem Training zu 12,64 m ( 3 kg) und 10,04m ( 5kg). Mit dem 7,5kg schweren Hammer war leider kein gültiger Versuch dabei. Auch hier ging der zweite Platz an sie.

Fazit des Ganzen. Nico errang vier EM – Titel in Einzeldisziplinen, sowie zwei in Athletik-Zwei( Shotorama und Schokorama) – bzw Dreikampf ( Shotorama, Shokorama und Speerorama) Es ist schon eine Herausforderung, Nicht nur an das Trainingspensum, sondern auch an die eigene mentale Stärke. Spaß hat es auf alle Fälle gemacht und wir planen schon die nächsten Wettkämpfe. Vielleicht sogar die WM in Tata ( Ungarn) 2017. Wer weiß???